Takt, Lossgelassenheit und Schwung beim Reiter – ein Gastbeitrag meines Pferdes

Die Ausbildungsskala des Reiters aus Pferdesicht. Ein kleiner Einblick, in die Gedanken eines Pferdes, der seinen Reiter schult und fördert und fordert. Ein Bericht, geschrieben von meinem Holst… „gibst du mir endlich den Laptop, sodass ich anfangen kann? Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Immerhin wartet eine Portion Heu auf mich.“ Ach, lest selbst. 😉

Auryn und Antares (18)
Auryn – der Gastautor

Moin Moin! Wenn ich mich vorstellen darf, ich heisse Auryn und bin ein Holsteiner Hengst Wallach und wurde 2007 in Kappeln, Schleswig-Holstein geboren. Ausgebildet wurde ich im schönen Bayern und bin seit bald einem Jahr stolzer Besitzer eines kleinen blonden Menschen. Nettwerweise, lässt sie mich in einem Gastbeitrag meine Gedanken, zu ihrer Ausbildung niederschreiben. Falls ihr jetzt ein Bild von einem am Tisch sitzenden Pferd habt – falsch. Ich stehe.

Liebe Pferdekumpels, ihr wisst wie schwierig es sein kann seinen Menschen auszubilden. Ihm zum Beispiel beizubringen, dass er endlich mal gerade im Sattel sitzen soll und er auch beim aussitzen mitschwingen dürfte. Während mein Mensch mir gerade die Hufe feilt – Sophie, du hast übrigends dahinten eine Kante vergessen – erkläre ich die Ausbildung zum Takt, zur Losgelassenheit und dem richtigen Schwung eures Reiters.

Der Takt

Der Takt lässt sich super üben, wenn euer Mensch mit euch Spatzieren geht. Da der Mensch oftmals kleine Geräusche nicht wahrnimmt, müsst ihr ihn, mit lautem Getrappel eurer Hufe, den Takt hören lassen. Habt ihr Eisen ist das umso besser.  Hier und da eine Korrektur, indem ihr ihm kurz in die Hacken läuft oder ihm den Zeh abquetscht, kann wahre Wunder wirken. Ihr übt so nicht nur, dass euer Mensch gleichmässig und im Takt läuft, er wird auch ganz anders die Füsse heben und euch sogar mehr Platz schenken.

Die Losgelassenheit

Wer von euch kennt die Situation nicht: Ihr seid gemütlich am Ausreiten, bis ihr merkt, dass euer Mensch auf einmal alles anspannt. Ihr habt Null Ahnung um was es denn jetzt schon wieder geht, bis ihr vorne am Feldrand die mit Planen abgedeckte Heumaschine sieht. Grundsätzlich ist euch sowas total egal. Wenn aber der Mensch oben so klammert, muss er wohl Angst davor haben. Um ihm nun seine Losgelassenheit zurück zu geben, schüttelt ihr ihn einfach kräftig durch und lockert seine Muskeln. Ihr könnt also schon 20m vorher in einem lockeren Trabsel-Schritt beginnen euren Reiter zu lockern. Nützt das nichts, so müsst ihr wohl oder übel so schnell als möglich an dem Ding vorbei. Ihr möchte ja nicht, dass sich euer Reiter zu sehr davor fürchtet und ihr wollt ihm aus dieser Situation so schnell wie möglich heraus helfen. Nehmt also all eure Energie zusammen und düst daran vorbei. Mit einem späteren Abschnauben, signalisiert ihr ihm, dass die Gefahr gebannt ist und ihr wieder alles unter Kontrolle habt.

Der Schwung

Der Schwung ist etwas schwieriger dem Menschen nahezubringen. Wenn euer Mensch mit euch Kreuze springt, müsst ihr einfach die Hinterhand kräftig heben, sodass ihr ihn aus dem Sattel nach vorne wirft. Er wird lernen euren Schwung zu kompensieren. Natürlich lässt sich das auch bei einzelnen Stangen hervoragend üben. Nehmt all eure Elastizität und schwingt über die 3 Stangen in vollen Gang. Euer Reiter wird ab da entweder im leichten Sitz über die Stangen traben, oder er wird geschult sein Gewicht endlich mal in den Sattel zu setzten. Andernfalls könnt ihr den Schwung aber auch super beim Striegeln üben. Wenn euer Mensch nach einer Bürste aus der Putzkiste greift, könnt ihr ihn mit eurer Nase eine Stoss versetzten und ihn so auffordern den Schwung abzufangen und zu kompensieren.

Wichtig – lobt euren Menschen

Es gibt viele Möglichkeiten eure Menschen zu erziehen und sie auf der Ausbildungsskala weiterauszubilden. Ihr müsst euch einfach immer wieder die absurdesten Übungen einfallen lassen. Ihr dürft aber nie das Loben vergessen! Wenn euer Mensch also was gut gemacht hat, lässt ihr euch von ihm einfach wieder mal die schrecklichsten Frisuren flechten oder ihr stellt euch von selbst auf eine Plane beim Schrecktraining. Die Reaktion und das anschliessende gefiepe ist oftmals zu köstlich und das wichtigste, es könnte sogar ein Keks dabei rausspringen. Ihr könnt aber auch einfach das Gekuschel und Geküsse über euch ergehen lassen ohne rückwärts weg zu laufen, daran erfreuen sie sich auch immer.

Nur Mut zur Ausbildung eures Menschen und scheut euch nicht davor, skurille und verrückte Aktionen einzubauen! Ich geh jetzt wieder zurück zu meinen Kumpels Heu mümmeln und überlege mir weitere Punkte um Sophie zu trainieren.

mit wiehernden Grüssen,
euer Auryn

 

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