Wieviel „Pflege“ ist gesund?

Als Pferdebesitzer, pflegt man sein Pferd grundsätzlich jeden Tag. Mit Pflegen, meine ich das Bürsten des Fells und das Versorgen von Wunden sowie das Bearbeiten der Hufe. Man hat so ebenfalls die Möglichkeit, dem Pferd näher zu kommen und ihm eine wohlige Massage zu geben. Also ist das Verb „pflegen“ ja etwas positives und wohlwollendes, oder? Doch, wieviel Pflege braucht ein Pferd? Wann überpflegt man sein Pferd?

Schauen wir uns mal ein Pferd an, welches in freier Wildbahn lebt (jaja das Wildpferdargument). Es wandert auf Pfaden, galoppiert durch die Steppe oder es zieht durch die Wüste. Es wälzt sich im Gras oder im Matsch und ist oft mit Schlamm zugekleistert. Diese Pferde haben niemanden, der sie ausführlich putzt, ihnen die Hufe säubert, wunde Stellen desinfiziert oder ihnen gar die Mähne kämmt. Sie betreieben unter einander Fellpflege und das war es dann auch.

Das Bedürfniss ein Pferd zu striegeln und zu pflegen ligt, so denke ich, in der Natur des Menschen. Er möchte sich um das Wohlergehen seines Tieres kümmern. Das Fell des Pferdes soll glänzen, die Mähne soll gekämmt sein und jede offene Stelle soll eingecremt werden. Ganz davon abgesehen, dass man es ja zum Wohlergehen des Pferdes macht, bringt die Pflege des Tieres Spass und baut Vertrauen auf. Wir können unseren Vierbeinern nahe sein und haben alles unter Kontrolle und im Blickfeld. So weit so gut.

Was ist aber, wenn man sein Pferd überpflegt. Geht nicht? Geht leider doch.

Erstmal möchte ich auf die Haut unserer Vierbeiner zu sprechen kommen. Die Haut ist das grösste Organ. Sowohl beim Menschen wie auch beim Pferd. Jeder hat sein Pferd schonmal zucken gesehen, wenn sich eine Fliege auf dessen Fell gesetzt hat. Bereits hier sehen wir, wie empfindlich dieses Organ ist. Pferde verlieren täglich Haare und auch alte Hautschuppen werden abgestossen und durch neue ersetzt. Ist das Immunsystem geschwächt, zeigt sich oftmals stumpfes Fell und eine geschwächte, reizbare Haut. Folgen können Hautirritationen, bishin zu Ekzemen und Pilzen.

Um diesen Krankheiten vorzubeugen gehört A) eine ausgewogene aufs Pferd abgestimmte Ernährung B) eine gut Fellpflege und C) nicht zu viel Fellpflege. (Mal ganz abgesehen von der Haltung, psychischer Zustand des Pferdes, etc.) Die Haut des Pferdes sondert ein Öl ab, welches sich täglich wie ein Film auf die Haare setzt. Die Haut wird so zum Beispiel vor Nässe geschützt, da das Wasser am Haarkleid herunter gleitet und abtropfen kann. Ebenfalls, schützt der Ölfilm vor Bakterien. Putzen wir unser Pferd nun täglich mit zig Bürsten, holen wir zwar die abgestorbenen Hautschuppen und losen Haare aus dem Fell, jedoch zerstören wir auch die natürliche Schutzschicht des Haarkleides indem wir das Öl heraus striegeln.

Ähnlich ist es bei Wunden. Sieht man beim Pferd eine aufgeschrammte Stelle, so wird sie gleich desinfiziert und dick mit Salbe bestrichen. Gesunde Pferde haben grundsätzlich eine gute Selbstheilung. Mit diversen Cremen und Wundsparys, können wir die Arbeit des Körpers stören und somit die Heilung rauszögern. Hier ist weniger mehr. Und jetzt versteht mich bitte nicht falsch, bei grossen oder tiefen Wunden, Wunden die sehr dreckig sind ist ein Desinfizieren besser und notwendig! Mir ist trotzdem selber aufgefallen, dass Wunden teilweise um einiges schneller verheilen, wenn ich sie nicht mehr täglich mit Cremen einstreiche. Ich kontrolliere sie natürlich täglich, jedoch lasse ich das eincremen und rumsalben sein. In diesem Sinne, Danke an eine Stallfreundin vom Sonnenhof fürs wach rütteln.

Als letztes möchte ich noch gerne die Wirkung von Schlamm ansprechen. Nebst dem, dass er mühsam ist aus dem Fell zu kämmen und nachher eher an uns als an der Bürste klebt, kann er mehr als wir denken. Früher (und auch heute noch) nahm man Lehm/Erde um Schwellungen zu kühlen, dem Körper Gifte zu entziehen und ihm wiederum Mineralstoffe zu zuführen. Ich selbst benutze gerne Erde mit Wasser vermischt um meinem Pferd nach einem langen Ausritt oder einem Springtraining die Beine zu kühlen. Konnte er beim Wasser abspritzen gerade eben nicht stehen bleiben, so genoss er doch sichtlich die Schlammpackung mit integrierter Massage. Für die Hufe ist Lehm oder eben Schlamm, ebenfalls ein Wunderheiler. Er hilft den natürlichen Wasserhaushalt im Horn aufrecht zuerhalten, wirkt antibakteriell und lässt den Huf hart und geschmeidig werden.

Denkanstoss: Kommt euch euer Pferd glücklich verdreckt auf der Weide entgegen, gönnt ihm diese Schlammpackung und lasst es doch einen Tag länger so stehen. Putzt sorgfältig aber überpflegt eure Fellnasen nicht. Bentutz anstatt Huföl einfach mal Mutternatur und geht mit einer Schaufel bewaffnet auf die Wiese und buddelt in der Erde.

 

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