Blogbeitrag Nr. 8 Update gebissloses Reiten

Blogbeitrag Nr. 8

Im folgenden Post möchte ich euch über unsere Fortschritte mit dem gebisslosen Reiten erzählen, euch erklären warum ich ein „Nein“ meines Pferdes postitiv sehe und mich nicht (mehr) verletzt fühle wenn es Mal nicht mit mir arbeiten will. Zudem erzähle ich euch wie ich es geschafft habe Auryns Eigeninitiative zu fördern und ihm bewusst Freiraum für eigene Ideeen geschaffen habe. Viel Spass beim Lesen!

 Update gebissloses Reiten

Seit ein paar Wochen sind wir ausschliesslich gebisslos unterwegs. Wir waren mehrheitlich im Gelände um einfach die Seele baumeln zu lassen. Dazu wollte ich die letzten schönen Sommertage draussen in der Natur verbringen, bevor die „Hallen-Zeit“ wieder beginnt. Auch wenn wir nur Ausreiten und die Seele baumeln lassen, frage ich Auryn immer wieder Mal an ob er nicht in Dehnungshaltung gehen möchte. So kann ich gleich auch seine Hinterhand etwas aktivieren. Er geht mir ab und an zu sehr auf der Vorderhand. Daher versuche ich ihm beim Ausreiten bewusst zu machen, dass er hinten auch noch Beine hat.

Vor ein paar Tagen ritten wir etwas Dressur in der Halle. Auryn war von Anfang an locker und leicht an der Hand. Er lief schwungvoll und aufmerksam vorwärts. Was mich am allermeisten freute war, dass er nun beginnt sich selber zu tragen. Er braucht kaum mehr Hilfestellung meinerseits, sondern läuft von selbst in einer wunderschönen Selbsthaltung. Ich bin wirklich stolz auf ihn und auf unsere Fortschritte.

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Wie schön und stolz er sich selber trägt!

Mein Pferd sagt „Nein“

Ich war an diesem Tag spät dran und war für abends noch verabredet. Wie so oft plane ich dann gerne im Voraus. Pferd holen, füttern, Putzen, Reiten und wieder los. (Ich muss gerade schmunzeln. Ich wollte mir diese Plannerei abgewöhnen aber manchmal falle ich in alte Muster zurück. Aber weiter im Text:) Nun haben Auryn und ich ein kleines Ritual. Ich gehe in seine Nähe, rufe ihn warte bis er zur mir kommt und wir begrüssen uns. Dann schlendern wir gemeinsam zum Ausgang des Offenstalls, wo ich ihm sein Halfter anlege und ihn raus nehme. Mir ist dieses kleine Rituatl sehr wichtig.

Tja heute stand ich da und rief mein Pferd. Und mein Pferd sah mich mit gespitzten Ohren an, wollte aber nicht kommen. Nun hätte ich hingehen können und ihn einfach Aufhalftern können. Dann hätte ich aber unser Ritual gestört. Mein Pferd sagte also heute klar „Nein“ zu mir. Also setzte ich mich auf den Zaun und wartete. Auryn frass derweil sein Heu und schaute ab und an zu mir rüber. Früher hätte ich mich an diesem Punkt hintersinnt und gefagt warum er denn nich zu mir kommt. Heute aber musste ich innerlich lachen. Wie gut er mich doch schon kennt und mir zeigt worauf es im Leben an kommt. Zu oft noch, lebe ich am Moment vorbei. Ich genoss also einfach die warme Abendsonne und sah der Herde zu. Bis Auryn dann aufhörte zu Fressen und zu mir rüber lief. Er sah mich ganz nach dem Motto: „Jetzt bin ich bereit, jetzt habe ich Zeit für dich“ an. Ich war sehr stolz auf mich selber, dass ich mir treu blieb und meinem Pferd eine eigene Meinung zusprach. Der ganze Plan für den Abend war etwas durcheinander geraten aber wir verbrachten dennoch eine schöne Zeit zusammen.

Eigeninitiative fördern – Freiraum für mein Pferd

Wie sehr die Eigeninitiative durch Freiraum gefördert wird, wurde mir letztens beim Reiten bewusst. Nachdem Auryn wieder voll einsatzfähig war, wollte ich ganz anders mit ihm weiterfahren wie bisher. (Hier könnte ihr den Grund für unsere Reitpause nachlesen: Blogeintrag Nr. 6 gebissloser Ausritt & Eisen abgerissen )

Mir war es wichtig Auryn mehr selber entscheiden zu lassen und viel mehr auf Basis der positiven Verstärkung zu Arbeiten. Als wir also unsere Eisen wieder drauf hatten ging es erstmal zum Eingewöhnen der Füsse in die Halle. Von nun an wollte ich Auryn für jedes bisschen Energie welche von ihm aus kam, belohnen. Unser Problem war es nämlich, dass ich das Gefühl hatte dass Auryn ziemlich lustlos bei der Arbeit in der Halle war. Er führte alles aus, jedoch ohne grosse Freude. Zumindest schien es mir so. Nun belohnte ich ihn nach jeder einzelnen Einheit die er ausführte mit ausgiebigen streicheln am Hals.

Also zum Beispiel: Aus dem Schritt antraben – gleich loben und wiederholen. Das wurde dann aufgebaut bis zum verstärkten Galopp auf der langen Seite. Unsere Reiteinheiten beliefen sich auf um die 20 Minuten. Also eigentlich immer genau so lange, bis ich merkte dass Auryn schlichtweg keine Lust mehr hatte zu Arbeiten. Heute sind wir bei guten 50 Minuten und ich kann wirklich sagen dass er freudig mitarbeitet. Er läuft von Anfang an schwungvoll und gibt sich grosse Mühe. Ich muss Auryn nun nicht mehr motivieren sondern werde teilweise von ihm motiviert. Letztens war sogar so motiviert dass er die Initiative ergriff um wir etwas zu zeigen. Während dem Galopp auf der Volte fing er bei X immer an rumzuhampeln. Ich war etwas verwirrt und fragte mich, was er da nun machen wollte, liess mich aber bei der zweiten Galopprunde auf ihn ein und gab ihm Freiraum für seinen Vorschlag. Das Resultat war ein perfekter Galoppwechsel bei X auf die andere Volte!

Es ist nicht so, dass ich Auryn nie eine Stimme gegeben hätte. Jedoch war ich teilweise zu stark darauf fokusiert ihn aufzubauen und ihm zu mehr Muskulatur zu verhelfen. Alles was wir im Sattel nicht Muskulär beanspruchen, versuche ich nun bei der gezielten Gymnastizierung vom Boden aus zu fördern.

Wir befinden uns noch ganz am Anfang unseres neuen Weges. Dennoch fühlen wir uns so nah am „Ziel“ wie schon lange nicht mehr. Gerade jetzt beim Schreiben wird mir sogar bewusst, das wir unser Ziel schon erreicht haben. Nämlich Reiten und Beisammensein in Harmonie und Zufriedenheit.

 

 

Ich wünsche euch allen eine schöne Zeit.

Reitet gut, Sophie

 

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5 Gedanken zu “Blogbeitrag Nr. 8 Update gebissloses Reiten

  1. Pingback: Blogeintrag Nr. 10 Springstunde gebisslos mit dem LG-Zaum! – silberpferd

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