Was tut dein Pferd am liebsten, abgesehen von dem was es am besten kann?

In was ist dein Pferd gut? Und nein ich frage nicht wie es gezogen ist, ob in Richtung Springen, Dressur oder Distanz. Sondern was dein Pferd gut kann und was es am liebsten macht. Über die Jahre in denen ich verschiedene Pferde geritten bin, fiel mir immer wieder auf was Pferde können und was sie aber doch viel lieber machen würden wenn sie nur könnten. Für mich ist das ein grosser Unterschied! Meine tieferen Gedanken zu dem Thema könnt ihr unten lesen.

Heute züchtet man Linien und Rassen für bestimmte Zwecke. Englische Vollblüter für die Rennbahn, Vollblutaraber für die Distanzrennen und Warmblüter für die Spring- und Dressurplätze. Man deckt Stuten mit Hengsten die ihre Ausdauer, ihre langen Beine oder ihre Beweglichkeit weiter vererben sollen. Alles mit dem Ziel noch bessere und leistungstärkere Pferde zu züchten.

Ich frage mich immer wieder ob Pferde dass, was sie tun, wirklich gerne machen oder ob sie es tun weil sie es einfach müssen. Weil sie nun Mal vom Dressurhengst XY abstammen, oder der Ur-Ur Enkel vom Triple Crown Sieger von 1975 sind. Oftmals haben solche Pferde noch ganz andere verborgene Talente. Ich bin mir sicher, dass wenn man ihnen genauer zuhören würde, einige Bestizer verblüfft wären, wieviel mehr in ihren Pferden steckt.

Das Springtalent dass keines sein wollte

Gerne erwähne ich im Zusammenhang mit dem Springen, Antares. Er ist ein so gelenkiges Pferd und springt alles und jede Höhe. Im Freispringen hat er mehrfach gezeigt was für ein Talent in ihm steckt. Auch bei Springversuchen unter dem Sattel fiel schnell auf, wie geduldig er ist, wie toll sein Auge ist, und wie sanft er sich vor und nach dem Sprung reiten lässt. Dazu kam dann seine enorme Sprungkraft. Er wäre bestimmt ein tolles Springpferd gewesen.

Wenn, ja wenn da nicht mein Bauchgefühl gesagt hat, dass er das garnicht will. Er hat nie verweigert, ist alles gesprungen und dennoch schien es mir, dass er das alles nur aus einem Grund tat. Er wollte mich glücklich machen. Sollte ich nun mein Glück über seines stellen? Bestimmt nicht. Also beendeten wir die Springreiterei so schnell wie wir sie begonnen haben. Wir suchten uns andere Aufgaben und fanden uns schliesslich im Distanzsport wieder, wo Antares bewies wie Nervenstark er als Vollblutaraber doch war. Auch an Geschicklichkeitsprüfungen und Patrouillenritten war der als „nervöse und typisch spinnend“ bezeichnete Araber der Ruhepol schlechthin. Antares war doch oft ein impulsives Pferd und nahm sich nichts zwischen den Posten gleich Mal lautstark anzugeben und seine arabischen Wurzeln kund zu tun. Kamen wir jedoch zu den Posten so war er zu 100% bei der Aufgabe.

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Vollblutaraber Antares, im Halsring-Reiten blüht er auf.

 

Dressurtalent, Springtalent, Bewegungskünstler? – Freizeitpferd!

Lange Beine, weich in der Bewegung, schöne schwungvolle Gänge ein raumgreifender Galopp, super am Sprung und noch vieles mehr, zeigt Auryn wenn er richtig vorwärtsgängig ist. Bereits beim Kauf wurde mir gesagt dass er ein Multitalent ist und für jede Sparte geeignet wäre. Was auch ganz klar stimmt. Er wäre ein ganz tolles Turnierpferd, welches in Händen eines Profis mit Sicherheit eine solide Karriere gehabt hätte.

Pech für ihn dass er von mir gekauft wurde und nun in einem Aktivstall mit 22 Herdenmitgliedern, 24h Heu und Auslauf lebt. *Ironie aus*

Auch bei ihm musste ich ersteinmal tief in mich hinein hören um heraus zu spühren was er wirklich gerne tat, und was nicht. Von meiner Tierkommunikatorin liess ich mir sagen, dass er das Springen liebt ihm aber „fusselige Kleinarbeit“ nicht zusagt. Er sei dynamisch und möchte fliegen. Gekauft habe ich ihn klassisch unter dem Begriff Holsteiner Springpferd. Und er ist ein Traum in dieser Sportart und wurde schonend ausgebildet und nie überfordert. Auch in der Dressur zeigt er Potentail für mehr. Doch er tut es nicht wirklich gerne. Mir wurde öfter gesagt, wenn ich mehr trainieren würde, wenn ich mehr von ihm verlangen würden, dann würden wir dies erreichen und dass gewinnen. Aber auch hier überlege ich mir zu welchem Preis? Vielleicht sind wir auch ab und an Mal auf einem Turnier. Vielleicht sogar Mal auf einem Dressurturnier. Jedoch  nie mit der Absicht gross Abzusahnen, sondern um Spass zu haben. Auryn wird wohl nie das Sport-Karriere Pferd sein, welches manche in ihm sehen. Er wird wohl nie die Erfolge verbuchen können, die sein Vater, seine Mutter, Onkel und Co. hatten. Er darf dafür dass tun was er gerne tut. Zumal das auf erster Linie „Pferd sein“ ist.

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Springpferd Auryn darf einfach Pferd sein

Gedankenanstoss

Geht tief in euch. Macht ihr wirklich dass mit euren Pferden, was ihnen Spass macht? Fördert ihr sie in dem was sie können aber vielleicht nicht in dem was sie gerne tun würden? Allen Turnierreitern da draussen, ich möchte euch nicht verärgern. Aber vielleicht lassen sich ja Kompromisse eingehen mit eurem Pferd. Vielleicht könnt ihr aus eurem Springtalent noch ein Zirkuspferd zaubern. Vielleicht ist eurer Dressurpferd das geschicklichste Pony und ihr habt es ihm nur noch nicht zugetraut?

Ich möchte euch nur dazu anregen euer Pferd in dem zu unterstützen, in dem es aufblüht und glücklich ist.

in diesem Sinne, reitet gut

Sophie

 

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5 Gedanken zu “Was tut dein Pferd am liebsten, abgesehen von dem was es am besten kann?

  1. Liebe Sophie, wieder schreibst Du mir aus der Seele ❤ Genau so und nicht anders sollte es sein. Oder wie schon manch guter Reiter sagte: Auf Papieren kann man nicht reiten..! Richtig.

    Warum ein Pferd zu etwas zwingen, was es eigentlich gar nicht möchte? Das geht doch besser. Shaman wurde als Geländepferd gekauft und dahingehend von mir ausgebildet. Natürlich gehören auch zum Westernreiten gymnastizierende Übungen und ein paar Lektionen musste er auch lernen. Aber nie mit Druck. Wir haben uns Zeit gelassen und der Schwerpunkt lag immer im Gelände. Wo er eifrig bei der Sache ist. Wobei ich ihn in der Halle an manchen Tagen fast schieben kann…! Was dann aber früher oft Wunder gewirkt hat, waren kleine Sprünge. Da ist er aufgewacht und war freudig dabei 🙂

    Liebe Grüße

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    1. Danke für deine lieben Worte! 🙂

      Leider sehe ich oft Reiter die sich ein Pferd mit Abstammung kaufen (daran ist ja auch nichts auszusetzten) aber dann die Pferde auf Teufel komm raus trainieren. Bringen diese nicht die gewünschte Leistung in der für sie „bestimmten“ Sportart, werden sie verkauft à la Pferd taugt nichts.

      Es gibt auch hier nicht DEN Weg. Jedoch finde ich es schön wenn man einfach Mal etwas ausprobiert.

      Ich finde es klasse dass du auch vielfältig mit Shamaan arbeitest. Den Arabern scheint das Springen zu gefallen? Ich höre vermehrt von Araber-Besitzern dass ihre Pferde das gerne mögen. 🙂

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      1. Oh ja, den meisten Arabern gefällt es. Leider kann man in dem Zusammenhang auch sagen, dass sie zwar sehr hoch und weit und gerne springen, sich bei Kombinationen oder Stangenarbeit gerne mal anstellen wie die totalen Trottel 😀 Shaman kann sich da mit einreihen 😀 Er verlässt sich auch darauf, dass ich ihm den korrekten Absprung mit der Stimme vorgebe. Mach ich das nicht, schubbst er das Hindernis einfach mit der Brust um und stiefelt drüber 😛

        Ja, das ist leider so. Natürlich haben diese speziell gezüchteten Pferde bessere Veranlagungen für diese und jene Sparte, aber am Ende sind es doch Individualisten wie wir und wollen auch so behandelt werden 🙂 Wir hatten zwei Fohlen vom selben Hengst, Hannoveraner. Stute und Hengst, beide von den Linien her für s Springen gezüchtet. Der Hengst auch vom Körperbau der totale Springtyp. Sie ellenlange Beine und wahnsinns Gänge. Nach Jahren hat uns die Züchterin kontaktiert (mussten die zwei wegen Streit mit dem Mitbesitzer, nach dessen Tod verkaufen), dass der Hengst sehr erfolgreich in der Dressur ist^^

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        1. Das hat sich so entwickelt. Er ist oft zu früh oder zu spät abgesprungen und irgendwann hat er sich ganz auf mich verlassen 😀 Ja, hab ich schon von vielen Araber-Besitzern gehört 😀

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